wissenschaft in progress


01.02.2009, 22:24 Uhr von Uta Buttkewitz

Globalisierte Medienkommunikation?

Am Anfang des Semesters hatte ich bereits über das Seminar „Geschichte in den gegenwärtigen Abgrenzungsdiskursen arabischer und westlicher Medien“ berichtet, das ich zusammen mit einem Dozenten aus der Theologischen Fakultät gegeben habe. Nun, da das Semester zu Ende ist, ist es Zeit für ein kurzes Fazit.

Vor allem bei der quantitativen und qualitativen Inhaltsanalyse von ausgewählten Nachrichtensendungen westlicher und arabischer Fernsehsender (BBC und Al-Jazeera) haben wir erstaunliche Ergebnisse erhalten, die zu einer Fortführung der Untersuchung ermutigen. Am Beispiel des Konfliktes zwischen Israel und Palästina ließen sich die unterschiedlichen Positionen der westlichen und arabischen Seite besonders gut herausarbeiten.

Wir haben festgestellt, dass uns durch den Vergleich der Nachrichtensendungen ein ganz neuer Blickwinkel auf aktuelle politische Ereignisse gewährt wird und scheinbar eine „zweite Realität“ hervortritt, wenn wir die Sicht des Anderen berücksichtigen - so trivial sich das anhören mag. Niklas Luhmanns These von der Konstruktion der Realität im Rahmen seiner Systemtheorie gewinnt hier wieder an Aktualität. Unterschiedliche Selektionsprinzipien auf Grundlage verschiedener Kontexte, kul-tureller Identitäten und eines jeweils anderen Machtgefüges führen nicht zu Falschmeldungen und Manipulationen, sondern zu anderen Deutungen und einer anderen Art der Mitteilung von vorhandenen Informationen. Durch die Rezeption der sich voneinander abgrenzenden Deutungsmuster in den Nachrichtensendungen werden beim Zuschauer Leerstellen gefüllt, wodurch er der "Wahrheit" theoretisch ein Stück näher kommt. Gleichzeitig führt der Zugewinn an Wissen hinsichtlich der Interpretation des Ereignisses zu Irritation und Unsicherheit beim Zuschauer, wodurch wiederum bewiesen wird, dass das System der Massenmedien – so wie Luhmann es beschreibt – in sich geschlossen ist, selbstreferentiell funktioniert und systemeigenen Operationen unterliegt. Damit bleibt der Zugang zur prädiskursiven Realität versperrt.

Schwierig wird es bei der Frage, ob der Empfang und die Rezeption von Nachrichtensendungen aus Ländern mit unterschiedlicher kultureller, politischer und religiöser Prägung zum allmählichen Verschwinden von nationalen und kulturellen Grenzen beitragen kann und die hoffnungsvolle transnationale und globalisierte Medienkommunikation wirklich zu einer besseren globalen Verständigung führt. Ein pessimistischer Blick in die Zukunft könnte auch zur Erkenntnis gelangen, dass der Kulturalismus durch die sichtbaren und an die Oberfläche tretenden Differenzen erst recht genährt wird – so wie es Samuel Huntington mit seiner These vom „Kampf der Zivilisationen“ beschreibt. In einer Weltöffentlichkeit, die durch die neuen Kommunikationstechnologien entstanden ist, könnten wir es allerdings auch schon mit mediatisierten und weniger mit „authentischen“ Kulturen zu tun haben.

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