wissenschaft in progress


14.11.2009, 11:22 Uhr von wissenschaft in progress

Bastian Schwennigcke: Lesekompetenz in ihrer sozialen Dimension (Abstract)

Einer der drei Beiträge, die bald in unserem mittlerweile fünftem Heft von WISSENSCHAFT in progress (2.09) erscheinen werden, befasst sich mit Lesekompetenz in sozialen Zusammenhängen. Wir freuen uns, hier schon mal den Abstract darstellen zu können, den uns der Autor des Beitrags, Bastian Schwennigcke, zur Verfügung gestellt hat.

Lesekompetenz ist zu einem schillernden Begriff in der deutschen Bildungsdebatte geworden, scheint er doch unter Rückgriff auf den durch P.I.S.A. eingeführten Problembereich der (reading) literacy die Avantgarde in Bildungsforschung und -politik mit dem Glanz der Fortschrittlichkeit zu schmücken. Doch ist die Diskussion um diesen Begriff ambivalent und der Verdacht stark, dass es bei dem z.T. polemisch geführten Streit um Anspruch und Nutzen von Lesekompetenzkonzepten weniger um ein bildungswissenschaftliches und eher um ein gesamtgesellschaftliches Diskursphänomen geht, durch welches die verschiedenen wissenschaftlichen und politischen Meinungsträger versuchen, die Deutungshoheit über einen Wandel in den Herausforderungen an unser Bildungssystem zu gewinnen, über den wir noch fast nichts wissen.

Hier wird der Lesekompetenzbegriff interessant. Der Anspruch lautet, neue Lösungen für gewandelte Probleme zu formulieren. Die Kritik erkennt alten Wein in neuen Schläuchen. Weit ab von der Polemik der Debatte rückt das Ringen um den Kompetenzbegriff unsere Kenntnisse über die Fähigkeiten, die das Lesen ausmachen, in die Differenz zwischen Bekanntem und Unbekanntem und zwingt zu einem neuen Nachdenken darüber, wie wir Lesen bisher verstanden haben und inwieweit diese Zugänge heutigen Herausforderungen an das Lesen u.U. nicht mehr gerecht werden.

Ein solcher blinder Fleck ist die immer noch unzureichend erforschte soziale Seite des Lesens. Der Akt des Lesens ist in Alltag und Bildungskontexten häufig in ein soziales Geschehen eingebettet. Die Zeitungslektüre am Frühstückstisch ist kaum vorstellbar ohne die Möglichkeit, anschließend oder begleitend über das Gelesene zu reden. Eine Unterrichtsaufgabe, die auf einen Text gerichtet ist, zwingt den Bearbeitenden nicht nur zu einer bestimmten Art der Auseinandersetzung mit dem Lesemedium, sondern auch zu einer Kalkulation und unterschiedlichen kommunikativen Integration des Aufgabenstellers in das Rezeptionsgeschehen. Eine konsistente Modellierung dieses auf Medien bezogenen Wechselspiels zwischen Rezeption und Dialog liegt bis heute nicht vor. Der Beitrag soll einen systemisch-differenztheoretischen Ansatz zur Bearbeitung dieses Desiderats zur Diskussion stellen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die Wechselwirkungen zwischen Medium und Gespräch beobachtbar gemacht und in einen analytischen Zusammenhang gestellt werden können.

Mehr dazu also in Heft 2.09!

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